Grand Prix Historique
Drei Tage zwischen Motorsportgeschichte und Millionenwerten
Vom 24. bis zum 26. April 2026 durften wir die 15. Edition des Grand Prix Historique Monaco drei Tage lang mit dem GC Magazin begleiten. Es gibt Veranstaltungen, die beeindruckend sind. Und es gibt Veranstaltungen, die einem das Gefühl geben, für einen kurzen Moment in eine völlig andere Zeit einzutauchen. Genau dieses Gefühl hatten wir beim Grand Prix Historique in Monaco.
Bereits bei der Ankunft wurde schnell klar, dass dieses Event weit mehr ist als ein klassisches Motorsportwochenende oder eine Ansammlung historischer Fahrzeuge. Der Grand Prix Historique fühlt sich an wie eine lebendige Zeitreise durch die Geschichte des Motorsports. Zwischen den engen Straßen Monte Carlos, den Yachten im Hafen und den historischen Fahrzeugen entsteht eine Atmosphäre, die man so kaum irgendwo anders auf der Welt erlebt.
Besonders außergewöhnlich war dabei, dass wir nahezu alle Bereiche des Events erleben durften. Vom Paddock über die Pitlane bis hin zu den Fahrbahnen selbst konnten wir uns frei bewegen und genau dort eintauchen, wo diese Fahrzeuge vorbereitet und gelebt werden. Dies macht den Unterschied zwischen einem klassischen Oldtimer-Event und dem Grand Prix Historique aus. Die Autos stehen hier nicht einfach nur unter perfekten Lichtinstallationen oder hinter Absperrungen. Sie werden gefahren. Wirklich gefahren. Teilweise aggressiv und laut – trotz ihres immensen Wertes.

Die Geschichte hinter dem Grand Prix Historique
Der erste Monaco Grand Prix fand bereits 1929 statt und gehört bis heute zu den ikonischsten Rennen der Welt. Der Grand Prix Historique selbst wurde 1997 ins Leben gerufen und findet seitdem alle zwei Jahre statt. Organisiert wird er vom Automobile Club de Monaco, also denselben Verantwortlichen wie beim offiziellen Formel-1-Grand-Prix. Die Fahrzeuge fahren ebenfalls auf der klassischen Formal-1-Monaco-Strecke. Ziel war es damals, die Geschichte des Motorsports nicht nur auszustellen, sondern wieder erlebbar zu machen. Genau das spürt man heute auf jeder einzelnen Tribüne, in jeder Boxengasse und bei jedem Start.
Das Wochenende selbst ist klassisch in drei Tage aufgebaut. Der erste Tag beginnt mit Trainingssessions und den ersten Qualifikationen. Am zweiten Tag folgen weitere Qualifyings sowie die ersten Rennen der einzelnen Serien, bevor am dritten Tag die finalen Läufe stattfinden. Gerade diese Struktur macht das Event so spannend, weil sich die Stimmung im Laufe der Tage ständig verändert. Während am Anfang noch viel Ruhe und Konzentration im Paddock herrscht, wird das gesamte Wochenende immer emotionaler und intensiver, je näher die Rennen rücken.
Wie außergewöhnlich diese Welt historischer Fahrzeuge geworden ist, zeigt auch der höchste jemals erzielte Fahrzeugwert der Geschichte. 2022 wurde der Mercedes-Benz 300 SLR Uhlenhaut Coupé aus dem Jahr 1955 bei einer Sotheby’s Auktion für rund 135 Millionen Euro versteigert und gilt bis heute als das teuerste jemals verkaufte Automobil. Solche Fahrzeuge und deren Geschichte prägen auch die Atmosphäre des Grand Prix Historique.
Was den Grand Prix Historique dabei besonders macht, ist die unglaubliche Vielfalt der Fahrzeuge. Anders als beim normalen Monaco Grand Prix sieht man hier nicht nur eine Generation Motorsport, sondern die Entwicklung des Rennsports über Jahrzehnte hinweg. Von Vorkriegsfahrzeugen über frühe Formel-1-Autos der 50er und 60er Jahre bis hin zu Fahrzeugen aus der Turbo-Ära oder sogar Rennwagen der frühen 2000er-Jahre ist alles vertreten. Viele dieser Fahrzeuge besitzen dabei noch ihre originalen Motoren, Chassis oder sogenannte „Matching Numbers“, was bedeutet, dass Motor, Getriebe und Fahrgestell noch aus dem ursprünglichen Fahrzeug stammen. Genau diese Authentizität macht die Fahrzeuge für Sammler und Historiker weltweit so wertvoll.

Die Rennen selbst sind dabei nicht einfach nach Baujahren unterteilt, sondern in verschiedene Serien gegliedert, die jeweils bestimmte Motorsport-Epochen, technische Reglements und Fahrzeugtypen repräsentieren. Dadurch fahren beispielsweise Vorkriegsrennwagen, frühe Frontmotor-Formel-1-Autos, legendäre Cosworth-Ära-Fahrzeuge oder Turbo-Formel-1-Boliden jeweils in eigenen Kategorien gegeneinander.
Begegnungen mit Sammlern und Gentleman Drivers
Besonders beeindruckend war für uns die Nähe zu den Fahrzeugen und ihren Besitzern. Im Paddock standen Automobile, die heute teilweise zweistellige Millionenwerte besitzen und trotzdem mit einer Selbstverständlichkeit auf die Strecke geschickt werden, die man kaum glauben kann. Dort durften wir auch ausführlich den Ferrari 166 MM aus dem Jahr 1953 betrachten, über den wir bereits in unserer „Five Levels of Luxury“-Reihe berichtet haben.
Spannend war dabei auch die Frage, wer solche Fahrzeuge überhaupt besitzt und fährt. Denn hinter den Lenkrädern sitzen nicht nur ehemalige Rennfahrer, sondern häufig Unternehmer, große Sammler, sogenannte Gentleman Driver und Motorsport-Enthusiasten, die über Jahrzehnte hinweg historische Fahrzeuge gesammelt haben. Als Gentleman Driver bezeichnet man dabei private Fahrer und Sammler, die nicht hauptberuflich im Motorsport aktiv sind, sondern aus persönlicher Leidenschaft historische Rennfahrzeuge besitzen und bewegen. Viele dieser Menschen verbindet weniger der Gedanke an Besitz als vielmehr die Leidenschaft dafür, Motorsportgeschichte zu bewahren. Einige besitzen komplette Sammlungen mit historischen Ferrari-, Porsche-, Lotus- oder Maserati-Modellen, die weltweit bekannt sind.

Die emotionale Seite des Motorsports
Hier unterscheidet sich der Grand Prix Historique auch emotional vom modernen Formel-1-Grand-Prix. Während die Formel 1 heute für maximale technische Perfektion, Geschwindigkeit und globale Inszenierung steht, wirkt der Historique deutlich roher, ehrlicher und emotionaler. Man hört Motoren, die heute kaum noch existieren. Man riecht Benzin, Öl und heiße Bremsen. Viele Fahrzeuge besitzen keinerlei elektronische Fahrhilfen, wodurch die Fahrer diese Autos mit purer Kontrolle und Erfahrung bewegen müssen.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum dieses Event weltweit eine so besondere Stellung besitzt. Der Grand Prix Historique Monaco zeigt Motorsport nicht nur als Wettbewerb, sondern als Kultur. Als Geschichte. Als Handwerkskunst.
Eine Atmosphäre, die man nicht vergisst
Was den Grand Prix Historique letztendlich einzigartig macht, ist die Kombination aus originalen historischen Rennfahrzeugen, echter Rennatmosphäre auf einer der berühmtesten Strecken der Welt und einer Nähe zu den Fahrzeugen, die man in dieser Form heute kaum noch erlebt.
Für uns waren diese drei Tage deshalb nicht einfach nur ein weiteres Event in Monaco. Es war eine Begegnung mit einer Welt, in der Geschichte emotionalen Wert erzeugt und in der Fahrzeuge zu Zeitzeugen werden. Denn am Ende geht es dort nicht nur um seltene Autos oder hohe Marktwerte. Es geht um die Geschichten dahinter. Um die Menschen, die sie bewahren. Und um die Leidenschaft, die man in jedem einzelnen Fahrzeug spüren kann.

Weitere Einblicke in internationale Fashion-Events, Designer-Interviews und besondere Luxus-Inszenierungen finden Sie in unseren weiteren Artikeln.
